daniel roehe

Digitale Bildung

Wo bleibt die Museumspädagogik

In Hamburg gehen an diesem Wochenende die Frühjahrsferien zu Ende. So befinde auch ich mich zwischen Urlaubsgedanken und Unterrichtsvorbereitung. Bevor ich jetzt gleich mein nächstes Arbeitspapier für morgen entwerfe, muss ich noch mal ein paar Gedanken als Lehrer und werdender Papa abgeben. Sozusagen als Futter für alle Diskussionen a la Mittermeiers „Achtung Baby!“.

Wir waren für ein paar Tage noch mal in Berlin. Eine Städtereise, die man vielleicht mit Baby bald so erst mal nicht mehr machen kann. Neben dem Besuch des Balletts haben wir uns auch das Neue Museum angesehen. Ich hatte nicht erwartet, dass mich altägyptische und -römische Geschichte durch die Ausstellung derart bannen können. Auf den ersten Blick also ein wirklich gelungenes Museum. Aber da war noch was.

Bei dem Gang durch die Ausstellung hat sich in dem einen Raum Peter mit Paulchen lautstark gestritten. Die Eltern waren sichtlich bemüht, die Kinder wieder zu beruhigen. Aber offensichtlich boten die Exponate keinen spannenderen Zugang als der Streit mit dem Bruder. Der kostenlose Audio-Guide war für die Eltern interessant, aber für Kinder sprachlich viel zu anspruchsvoll. Die laminierten Infoblätter bestanden überwiegend aus Text, der für die kleinen Brüder auch nichts war. Im nächsten Raum trafen wir auf eine Schülergruppe, die dem Vortrag einer Museumspädagogin mehr oder minder müde lauschten. Die Führerin hat durchaus mit Witz und modernen Vokabeln versucht zu erklären, worum es gehen soll. Aber das konnte die Jungs und Mädchen nicht beeindrucken. Lediglich der Lehrer folgte interessiert dem Gesprochenen.

Dann stieß ich auf Hieroglyphen. Wir haben länger davor gestanden und gerätselt, was die Symbole wohl bedeuten könnten. Eine Erklärung war auf Anhieb nicht zu finden. Sehr interessiert standen wir auch vor den Objekten des täglichen Lebens. Mir war nicht klar, dass man in Ägypten schon vor dreieinhalb Tausend Jahren auf Stühlen gesessen hat. Und das es damals schon Kinderrasseln und Brettspiele gab.

Im Nachhinein fällt mir nun auf, dass es so einfach sein könnte, die Ausstellung auch für Kinder interessant und zugänglich zu machen. Man stelle ein paar altertümliche Stühle um einen Tisch und bilde dort alte ägyptische Spiele nach. Oder man lege Hieroglyphen-Rätsel oder -Bilderbücher neben die laminierten Infoschilder. Vielleicht würde die Ausstellung dann nicht nur für die kleinen Besucher mehr Reiz entwickeln. Mal sehen, ob sich da was tut, bis wir Berlin wieder besuchen. Dann wahrscheinlich mit Kind. Aber jetzt ich bereite erst mal weiter meinen Unterricht für morgen weiter vor.

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1 Kommentar

  1. Ralf 21. März 2010

    Hmm, hat’s Dich/Euch angesprochen, ja?
    Ihr seid doch auch Lehrer, wie könnt ihr das dann „objektiv“ beurteilen. Schwierige Sache sowas. Insgesamt kann ich mir aber auch vorstellen, dass eine interaktive Lösung wie Du sie beschrieben hast nicht uninteressant ist.
    Game based learning könnte hier ggf. der Schlüssel zum Erfolg sein. Da müsste man Wey mal fragen ob der spannende Beispiele kennt.
    Vielleicht interessiert Dich auch folgender Beitrag aus der Welt der Museen „Augmented Reality im Museum“

© 2019 daniel roehe

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